Social Trading mit wikifolio.com

Kleine Warnung vorweg: wer diesen Artikel liest, sollte sich etwas Zeit nehmen.Vielleicht sieht man danach einiges etwas klarer oder holt das Brillenputztuch raus… Optimalerweise hat man einige Antworten zu den Themen:

  • Was unterscheidet Retail Trader von Professional Tradern
  • Wie funktioniert der Markt des Retail Brokerage
  • Welche Rolle spielen Introducing Broker, Coaches, Trainer etc.
  • Wie ist meine Rolle in dem Spiel und habe ich eine Chance, zu gewinnen?
  • Was kann man in Bezug auf Social-/Copy Trading daraus lernen?
  • Kann man überhaupt als Retail Trader erfolgreich werden?
  • Macht Coaching trotz vieler Märchenonkel Sinn?

 

Schaut man auf die Schlagzeilen des letzten Jahres und der letzten Tage, fällt eines auf – die Zeiten werden härter und schwieriger für sogenannte Retailbroker, unterstützende Dienstleister wie Spotware, Leverate, Panda und deren Geschäftsmodelle. Die Regulierungsbehörden fegen langsam sanft durch und Ausweichbewegungen betroffener “Sünder” sind unübersehbar. Etliche, u.a. von Israel aus operierende Call Center brechen scharenweise nach Osteuropa auf, weil die ISA auf der Matte steht und schon kann man sich bei Finance Magnates gegen einen Obulus von knapp 2.000 $ informieren, in welchem der ehemaligen Ostblockstaaten die Etablierung eines neuen Backoffice kostengünstig erscheint. Es vergeht kein Tag, an dem nicht in den einschlägigen Finanzseiten bei FinanceMagnates, FinanceFeeds oder LeapRate über Verstöße gegen Regelungen der Finanzaufsicht der Länder berichtet wird.

In den letzten Monaten sorgten die Diskussionen um Handelsinstrumente wie CFD’s und Binäre Optionen für Aufregung und durchaus kontroverse Reaktionen. Viele der sogenannten Retailtrader, also Sie und ich, bewegen sich in diesem Markt und handeln zum Teil schon seit vielen Jahren bei verschiedenen Anbietern. Themen wie Requotes, Umstellung von automatischer Ausführung auf manuell bis hin zu sanften Aufforderungen, dem gewählten Broker den Rücken zu kehren, sind erfahrenen und erfolgreichen Händlern nicht neu. Die Gründe dafür sind simpel – profitable Händler knabbern am Gewinn des CFD/Forex-Brokers und unterlaufen damit den eigentlichen Geschäftszweck vieler (zum Glück nicht aller) Anbieter – mir und Dir das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Eines der wohl prominenten Beispiele der jüngsten Vergangenheit, da börsennotiert und publizitätspflichtig, ist FXCM (nun umbenannt in Global Brokerage). Die Story um FXCM ist ja eigentlich nur die Spitze des Eisberges, der das Thema mal wieder an das Licht der aufmerksamen Öffentlichkeit zerrte.  

Wer sich also mit dem Börsenhandel und vor allem auch mit CFD’s beschäftigt, dem sollte klar sein, in welchem Markt man sich bewegt, welche Interessen dort aufeinander treffen und wie die Akteure ihr Geld verdienen.

Wenn man das wissen möchte, und nicht blind dem Marketing der Industrie vertraut, dann empfiehlt es sich, denen zuzuhören, die jahrelang Teil der Industrie waren – den Profis eben.

Wer etwas sucht, wird auch im Web fündig, allerdings weniger im deutschsprachigen Raum.

Vor einigen Jahren, in 2009, gab es eine Serie in der BBC mit dem Namen Million Dollar Traders . Es war sozusagen die britische Wiederholung des Turtle Trader Experiments aus den 80er Jahren. Thema der Serie: Sind absolute Newbies in der Lage, mit einem strengen Regelwerk an der Börse Geld zu verdienen – ist Trading, unabhängig von Herkunft, Intelligenz und Bildung erlernbar.

Einer der Protagonisten der Serie: Anton Kreil, ein ehemaliger Händler von Goldman Sachs, J.P. Morgan und Lehman Brothers. Anton Kreil hat in 2007, noch vor dem Ausbruch der Finanzkrise, den Weg ins Privatleben genommen und ist seit einigen Jahren u.a. mit einem eigenen Coaching Business von Singapur aus unterwegs. Seine Mitstreiter haben eine vergleichbare Vita, u.a. Jason McDonald und Raj Malhotra.

Vor wenigen Tagen hielt Anton Kreil einen Vortrag vor Studenten in London an der University of Westminster zum Thema Retail vs. Professional Trading. Ähnliche Veranstaltungen gab es bereits in den Jahren davor zum Thema Investmentbanken/Hedgefonds bzw. “Die Wahrheit über Trading”, ebenfalls Vorträge bzw. Diskussionsrunden vor Studenten/Absolventen, die berufliche Orientierung in der Finanzindustrie suchten.

Wer sich die Zeit nimmt und diesen Beiträgen aufmerksam folgt, hat nicht nur ein AHA-Erlebnis, sondern erhält Informationen zu Funktionsweise und Entwicklungen des Geschäfts, die man sonst nirgends öffentlich so komprimiert und strukturiert findet.

Was sind die Kernthesen:

  • Das Geschäftsmodell der Retailbroker ist nicht dazu geeignet, dass die Kunden Geld verdienen (im Detail empfiehlt sich der Vortrag aus Mai 2017)
  • Professionelle Händler kennen die bestehenden Interessenkonflikte der Akteure und akzeptieren sie / Retailtrader blenden diese aus und glauben, was man ihnen durch Marketing und “Educating” vorsetzt.
  • Retailtrader haben völlig falsche Vorstellungen von der Arbeitsweise und Arbeitsalltag professioneller Trader in Investmentbanken und Hedgefunds, genährt auch durch die Medien
  • Professionelle Trader, also Händler in IB oder HF, die OPM verwalten, sind durch die Aufsichtsbehörden reguliert. Mit Blick auf den “Autodidakt” Retail Trader: Nur weil man im Garten jeden Tag Fussball spielt, ist man nicht automatisch ein Fussballprofi – ein sehr treffender Vergleich *g*. Es schmücken sich also viele mit einem Begriff, der falsche Vorstellungen weckt. Auch eine Berufserfahrung in der IT, Backoffice oder Marketing bei einer Bank macht den Akteur noch nicht zum Professional Trader…
  • Profis treffen Handelsentscheidungen ca. 80% fundamental und 20% technisch / Retailtrader glauben an Technik…in allen Variationen (Malen nach Zahlen…)
  • Profis handeln Portfolios (Long/Short) mit strikten Risikoziffern und einem Zeitzhorizont von 1- 3 Monaten/ Retailtrader machen Daytrading…möglichst noch Stunden-, Minuten-, Sekundenchart…
  • Profis agieren und antizipieren / Retailtrader reagieren und sorgen so für die nötige Liquidität zum  Ausstieg der Profis/ Retailtrader agieren eventbezogen/ ohne Plan und Strategie – Musterbeispiel Non Farm Payrolls u.a.
  • Profis halten Positionen, da sie hedgen / Retailtrader bekommen gesagt – keine Übernachtpositionen…(kein Plan, mehr Kommissionen für den Broker…)
  • Profis arbeiten strategisch und folgen dem Geld und der Volatilität über mehrere Assetklassen / Retailtrader fahren Schmalspur und “verhungern”, sobald ihre Strategie im Markt nicht mehr funktioniert


und nicht zuletzt

Profis legen Wert auf Kapitalerhalt und Wachstum – Retailtrader dagegen schnelles Geld in kurzer Zeit…

Die Liste ließe sich noch um einiges fortsetzen, würde aber hier den Rahmen etwas sprengen. Ich empfehle daher jedem Interessenten, sich die Vortragsreihen und Interviews unvoreingenommen anzusehen und dann mit seinen eigenen Erfahrungen zu vergleichen…

Wenn man in den Ring steigt, sollte man die Regeln des Spiels kennen. Um nichts anderes geht es. Es gibt an der Börse keine Kreisklasse, Regionalliga oder Bundesliga – es gibt nur Champions League (ein treffender Vergleich von Oliver Klemm), und dies ab der ersten Minute. Wer dort also Erfolg haben möchte, tritt an gegen die Kreil’s dieser Welt

Was kann man nun für das Thema Social Trading entnehmen ?

Ein paar Fragen, die sich jeder selbst beim Blick auf die Plattformen beantworten kann:

  • Welche Handelsstrategien dominieren
  • Auf welche Assets beschränken sich diese
  • wer sind die handelnden Personen…

Das Ergebnis lautet i.d.R.

kurzfristiger Handel (Daytrading) in 2 oder 3 Werten durch den typischen, im Zweifel “geschulten” Retailkunden wie Du und ich

Kann dies auf Dauer erfolgreich sein?

…das lasse ich jetzt mal offen, denn die Statistik spricht eine klare Sprache

Worauf sollte man also zukünftig besser achten?

Als Follower:

  • Diversifizierung über mehrere Trader und Assetklassen
  • Suche Händler, die ein ausgewogenes Portfolio abbilden
  • Habe Geduld und ziehe ein striktes Risikolimit

Als Signalgeber/Top Trader

  • Dein Track Record beginnt mit dem ersten Trade! (und damit auch Dein Drawdown – Dein Aushängeschild)
  • Trade like a Pro…

Damit wäre auch der Bogen zu den Coaches dieser Welt geschlagen…

Aktuell schwappt die Coachingwelle über die Vielzahl wissbegieriger und lernbereiter Kunden.

Auch hier gilt, nicht alles glauben, was man sieht. Mit einigen Klicks im Web lassen sich die Protagonisten recherchieren. Nun kann nicht jeder heutige Coach in der Szene ein ehemaliger professioneller Händler von GS & Co sein. Das muss es auch nicht, wenn dieser ehrlich und offen seine Qualifikation nachweisen und seinen persönlichen Weg zum erfolgreichen “Retail” Trader (denn das sind fast alle) glaubhaft machen kann.  

Neben individuellen Angeboten, die in der Vergangenheit durch die “Tradingmarketingszene” an Popularität gewonnen haben, gibt es seit mehr als einem Jahr die Plattform nextmarkets. Die dort agierenden Coaches sind i.d.R. erfahrene private, also “Retail” Trader ohne professionellen Hintergrund.  

Ist das schlimm?

Nein, solange ich weiß, mit wem ich es zu tun habe, also die Regeln kenne…
Dazu gehört auch zu wissen, dass das Konzept natürlich darauf ausgerichtet ist, Tradingideen zu publizieren und wenig fundamentale Tiefenschürfung erfolgt.

Wer also nach Hilfe sucht, wird sicher vielleicht auch fündig. Es kann jedoch nicht schaden, zuerst nach denjenigen zu suchen, die sich in dem Geschäft auskennen – den Profis aus der Champions League, die bereit sind, ihr Wissen und ihren Erfahrungsschatz weiterzugeben.

Die werden aber sicherlich nicht mit Papier, wie diesem in YouTube Videos wedeln…

Lange Rede kurzer Sinn:

Seid offen, lern- und wissbegierig. Wenn ihr das Spiel mitspielen wollt, dann kennt die Regeln. Bleibt stets kritisch und …passt auf euer Geld auf

P.S. ein recht streitbarer Satz aus der Vorlesung von Anton Kreil: “Trading is not for income !” Wer das verstanden hat, ist schon einen Schritt weiter, als die Masse der Brokerkunden.

Meine Empfehlungen auf der Suche nach Input u.a.:

weitere Anregungen findet ihr auch bei brokerdeal.de 

Wer sich ein „langes Wochenende“ vertreiben möchte, hier meine Playlist

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