Social Trading mit wikifolio.com

…aus Sicht der Wissenschaft.

Ein Team der Universität Regensburg beteiligte sich in diesem Jahr mit einer Studie am Postbank Finance Award 2016Unter Leitung von Prof. Dr. Gregor Dorfleitner sammelten Natalie Dietrich, Lukas Fischer Carina Lung, Nico Stang und Phillip Willmertinger ihre Erkenntnisse im Beitrag:
Megatrend Digitalisierung. Wie Informationstechnologien und Social Media das Geschäftsmodell von Banken beeinflussen.
To follow or not to follow? Eine empirische Analyse der Renditen von Akteuren auf Social-Trading-Plattformen

Hier untersuchten sie für den Zeitraum 01.02.2013 bis 31.01.2016  die in Deutschland populären Social Trading Portale ayondo und wikifolio.

Beginnen wir mit den Schlussbemerkungen:

„Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die momentane Bedrohung durch Social Trading-Plattformen noch gering ist, Banken jedoch ihre jetzigen Möglichkeiten, von dem anhaltenden Trend zu profitieren, nutzen sollten. Auf diese Weise können durch ein weiteres Wachstum von Social-Trading-Plattformen entstehende Bedrohungen begrenzt werden. Inwieweit der Wachstumstrend anhält und ob es sich dadurch für Banken lohnen würde, selbst Social-Trading-Plattformen zu betreiben, bleibt abzuwarten. In jedem Fall zeigen die Ergebnisse dieser Studie, dass schon heute Social-Trading-Plattformen wie Ayondo und Wikifolio zurecht im Fokus der Aufmerksamkeit stehen und die aktuellen Entwicklungen von den Banken keinesfalls ignoriert werden dürfen.“

Zu welchen Ergebnissen sind die Studenten gekommen?

Sowohl die Strategien auf wikifolio, als auch auf ayondo wurden umfangreichen statistischen Auswertungen unterzogen. Dabei wurden Portfolios nach unterschiedlichen Kriterien simuliert und deren Ergebnisse mit üblichen Benchmarks verglichen. 

Kann ich mit Social Trading kontinuierlich eine Rendite, möglichst eine Überrendite zum Markt erzielen ?

Die Frage, die sich ja auch jeder Follower stellt muss man leider so beantworten: Im Prinzip ja, aber…

Das Team der Uni Regensburg wählte u.a. folgende plattformübergreifenden Ansätze:

  • Naive Strategie – man setzt jeweils zum Monatsbeginn auf die Top 5 mit der höchsten Performance seit Anmeldung bzw. Emission.
  • Sharp Ratio Strategie – es wird in die 5 Strategien mit der höchsten Sharp Ratio der letzten drei Monate investiert.

Ergänzende Untersuchungen fanden zu plattformspezifischen Merkmalen statt. So z.B. bei

  • wikifolio – Dachstrategien aus den im Handelsblatt publizierten Wikifolio der Woche. Hier werden die jeweiligen wikifolios der Woche in einem Monatsportfolio als Dachwikifolio gebündelt. In rollierendem Wechsel wird die 3 – Monats- Performance dieses “Dachwikifolios” geprüft und ggfs. ausgetauscht.
  • Bei ayondo werden Risiko-Rendite Strategien unter Berücksichtigung des Drawdowns simuliert.

Im Fazit der Untersuchung heißt es:

“Unsere Ergebnisse zeigen einerseits, dass Investoren im Zeitraum von 2013 bis 2016 anhand der naiven Strategie je nach Plattform Verluste zwischen 80% und 92% erleiden. Andererseits belegen die Resultate ebenso, dass es durch die Anwendung komplexerer Anlagestrategien und unter Berücksichtigung plattformspezifischer Besonderheiten für Investoren durchaus möglich ist, eine positive Rendite bei zugleich geringer Volatilität zu erwirtschaften. Darüber hinaus ist es insbesondere für Ayondo schwierig, eine zufriedenstellende Benchmark zu finden. Werden die Renditetreiber der einzelnen Signalgeber auf beiden Plattformen betrachtet, so ergeben sich unterschiedliche Resultate. Für Wikifolio lässt sich ein tendenziell negativer Zusammenhang zwischen der Frequenz des Handels und der vom Trader erzielten Rendite beobachten. Auch Ayondo weist einen negativen Zusammenhang dieser beiden Variablen auf. Bei der Analyse der Rendite-Risiko-Beziehung ergeben sich gegensätzliche Ergebnisse auf den beiden betrachteten Plattformen. Während die Aufnahme von mehr Risiko bei einer Anlage auf Ayondo zu einer höheren Rendite führt, wird dieser Zusammenhang auf Wikifolio ins Gegenteil verkehrt. In Bezug auf die Weisheit der Gruppe liefern die beiden Plattformen ähnliche Ergebnisse. Obwohl dieser positive Effekt auf die Rendite eines Traders gerade beim Social Trading zu erwarten wäre, kann auf keiner der beiden betrachteten Social-Trading-Plattformen ein eindeutiger Zusammenhang nachgewiesen werden. Lediglich für Wikifolio zeigt sich ein geringer signifikanter Zusammenhang für diejenigen Portfolios, die nicht Bestseller sind. Abweichende Ergebnisse auf beiden Plattformen können durch das unterschiedliche Plattformdesign erklärt werden. Als zentrale Unterscheidungsmerkmale sind die Art des Anlageprodukts, die Kostenbestandteile sowie das Vergütungsmodell anzuführen. Während auf Ayondo mit CFDs gehandelt wird und damit das gesamte Anlageuniversum aus gehebelten Produkten besteht, wird auf Wikifolio ein Zertifikat-basierter Handel betrieben. Trader können sich hier selbst für oder gegen die Verwendung von Hebelprodukten entscheiden. Lediglich rund ein Viertel aller betrachteten Signalgeber entscheidet sich grundsätzlich für ein Anlageuniversum mit Hebelprodukten. Einen weiteren wichtigen Unterschied stellt das Vergütungsmodell auf den Plattformen dar. Bei der auf Ayondo angewandten volumenabhängigen Vergütung ist anzunehmen, dass Signalgeber riskante Tradingstrategien mit häufigen Umschichtungen bis hin zum reinen Day-Trading bevorzugen. Dementgegen kann bei der performanceabhängigen Vergütung von Wikifolio vermutet werden, dass Trader bei ihren Strategien in erster Linie renditeorientiert handeln und häufige Umschichtungen in den Hintergrund treten.”

Zusammenfassend kann man durchaus sagen:

  • Weisheit der Masse – nicht zu belegen
  • Kaufe die Top Performer – ist in aller Regel schmerzhafter
  • Hohe Tradingaktivität = höhere Rendite: totale Fehlanzeige

Social Trading = einfache Art der alternativen Geldanlage: mitnichten !

Die Studie belegt jedoch auch, dass unter Nutzung der Risikokennziffern Sharp Ratio und maximaler Drawdown eine positive Rendite unter geringen Schwankungen erzielbar ist. Hier ist aus meiner Sicht der Ansatz für die Plattformen, gerade auch Neueinsteigern bei der Konfiguration ihrer Portfolios Hilfestellung zu geben. Da eine Plattform wie ayondo keine Musterportfolios anbieten wird, wäre hier jedoch eine Lösung, verstärkt Lerninhalte und damit Hilfe zur Selbsthilfe zur Verfügung zu stellen.

Wer sich mit Social Trading beschäftigt, für den ist die Studie der Uni Regensburg ein Must Read. Ihr findet sie auf den Seiten der Postbank unter diesem Link als pdf-Dokument. (48 Seiten + Anhang)

Viel Spass beim Lesen und dem Verarbeiten der Erkenntnisse

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