Social Trading Plattform

Die Hitze hat Europa im Griff.

Sehr hitzig ging es in den letzten Wochen offenbar nicht nur an den Finanzmärkten, sondern auch hinter den Kulissen der verschiedenen Dienstleister für Social Trading und Investing zu. Während die Finanzexperten auf wikifolio.com, eToro, NAGA oder Darwinex ihren alltäglichen Geschäften nachgehen, ist in den Chefetagen reges Treiben angesagt.

Einerseits gibt es gute, andererseits aber eher unschöne, jedoch vorhersehbare Nachrichten.

Von Stellenabbau, über Revidierung der Planzahlen bis hin zu einer nun erfolgreichen „Flucht“ von der Insel ist so ziemlich alles dabei.

Beginnen wir den kleinen Rückblick mit dem innovativen Team um Juan Colón von Darwinex.

 

Darwinex erhält CNMV Zulassung in Spanien

Damit ist das Kapitel Brexit für die Spanier nun abgeschlossen. Mit der Zulassung im heimischen Spanien steht der Open Trader Exchange nun auch der Markt in Europa wieder offen. Schaut man zurück auf die letzten 10 Jahre, dann hat das Team um die Colón Brüder einiges auf die Beine gestellt. Der Weg wird zwar noch nicht zu Ende, aber zunehmend beschwerlich sein.

Zeitstrahl Darwinex (Quelle: Homepage Darwinex)

Neben der Darwinex.UK gibt es nun Darwinex.EU mit den ESMA konformen Anforderungen im hiesigen Wirtschaftsraum. Die Zulassung erfolgte zum 01.07.2022.
FXNewsgroup zitiert Juan Colón mit den eher blumigen Worten in Richtung der Aufsichtsbehörde:

„Es war uns eine Freude, mit der CNMV-Regulierungsbehörde zusammenzuarbeiten, um unser Geschäftsmodell, unsere Compliance-Prozesse, unseren Betrieb und unsere Finanzen an die spanischen Vorschriften anzupassen. Dieser Schritt schließt unsere Post-Brexit-Roadmap ab. Wir können uns nun darauf konzentrieren, unser Angebot zu verbessern und unser Wachstum zu beschleunigen.“

Während also Darwinex nun beide Märkte wieder regulatorisch sorgenfrei bedienen kann, hat sich der bisherige Oberindianer der Insel recht filmreif aus seinem Amt verabschiedet. Einen direkten Zusammenhang soll es aber nicht geben…

Eher trübe sieht es jedoch paar tausend Kilometer weiter in Israel aus.

eToro bleibt privat und muss aufräumen

Die Spatzen pfiffen es eigentlich schon seit geraumer Zeit von den Dächern und nun ist es tatsächlich passiert. Viele Monate Arbeit und Millionen von Dollars für die Katz.

Am 5. Juli wurde der Merger mit FinTech Acquisition Corp. V (NASDAQ:FTCV) abgeblasen. Die leidvolle Folge davon bekamen zeitnah 100 Mitarbeiter zu spüren, die entlassen wurden. Das sind ca. 6 % der Mitarbeiter.

Yoni Assia hat sich dazu auf eToro zu Wort gemeldet, dessen deutsche Übersetzung ihr hier lesen könnt:

Wir bleiben privat (vorerst!)

Heute haben wir angekündigt, dass wir unsere SPAC-Transaktion nicht abschließen werden. Im gegenwärtigen Marktumfeld glauben wir, dass es im besten Interesse von eToro ist, die Fusionsvereinbarung zu beenden und vorerst als privates Unternehmen weiterzuarbeiten. Ich möchte Betsy Cohen und dem gesamten FinTech V-Team für ihre harte Arbeit, ihren Fleiß und ihre Unterstützung während dieses Prozesses danken.

In den letzten 5 Jahren hat eToro über 400 Millionen Dollar Gewinn gemacht und im Jahr 2021 250 Millionen Dollar in einer Finanzierungsrunde aufgenommen. Wir haben eine starke Bilanz, die es uns ermöglicht, weiterhin in unser Produktangebot und zukünftiges Wachstum zu investieren. Während des Bullenmarktes sahen wir einen Anstieg der Bewertungen von Fintech-Unternehmen, der auf positiven Zukunftsaussichten und der Annahme eines weiteren Wachstums beruhte. Unter den heutigen schwierigen Bedingungen scheint es, dass die Märkte das Schlimmste annehmen, was ein unfreundliches Marktumfeld für börsennotierte Unternehmen schafft.

2021 war ein ideales Geschäftsumfeld für unser Unternehmen, mit starken Bullenmärkten sowohl bei Aktien als auch bei Kryptowährungen, und wir haben zwei Jahre mit einem Umsatzwachstum von 100 % und einem Wachstum des Kundenvermögens von 1000 % erlebt. Das Jahr 2022 hat bisher mit einem Knall begonnen, da der S&P 500 den schlechtesten Start seit mehr als 50 Jahren hatte und die meisten Kryptowährungen um 50 % oder mehr gefallen sind, was uns in einen Bärenmarkt für Aktien und Kryptowährungen drängt.

Der berühmte Investor und stellvertretende Vorsitzende von Berkshire Hathaway, Charlie Munger, hat gesagt: „Wenn man in diesem Spiel langfristig dabei sein will, was der richtige Weg ist, sollte man besser in der Lage sein, einen Rückgang von 50 % zu verkraften, ohne sich zu sehr darüber aufzuregen.“

Wir glauben, dass dieser Bärenmarkt eine Gelegenheit für uns ist, die Ausbildung unserer Nutzer zu verdoppeln und Ihnen zu helfen, Risiken in diesen schwierigen Zeiten zu managen. Wir alle lernen durch Widrigkeiten, und ich glaube, dass viele von Ihnen aus dieser Baisse als erfolgreichere Anleger hervorgehen werden.

Dies ist nicht unser erster Bärenmarkt oder unser erster Krypto-Winter. In den letzten 15 Jahren haben wir viele Marktzyklen überstanden und sind gestärkt aus diesen Erfahrungen hervorgegangen. Durch unsere globale Präsenz, unser vielfältiges Produktangebot und unsere sozialen Fähigkeiten sind wir für zukünftiges Wachstum gut aufgestellt.

Wir danken Ihnen für Ihre anhaltende Unterstützung und freuen uns darauf, die glänzende Zukunft von eToro gemeinsam zu gestalten.

Yoni

Yoni Assia ist eToro Mitbegründer und CEO

Quelle: https://www.etoro.com/news-and-analysis/etoro-updates/staying-private-for-now/

Nun ja, was soll er sagen… das eToro den Zeitpunkt verpasst hat, Fintech V wegen eigener Fehler nicht aus dem Quark gekommen ist und letztlich die Regulierungsbehörden in den USA der Buhmann sind? Pikant dabei laut FXNewsgroup.com vom 05.07.2022:

Im November 2021 reichte die FinTech Acquisition Corp. V einen Antrag bei den US-Regulierungsbehörden ein, in dem sie angibt, dass sie einen Fehler in einigen ihrer zuvor veröffentlichten Finanzberichte festgestellt hat.
https://fxnewsgroup.com/forex-news/retail-forex/etoro-fintech-acquisition-corp-v-to-terminate-merger-agreement/

Der nun abgeblasene SPAC-IPO ist in gewisser Hinsicht auch ein herber Dämpfer für die Branche. Die Euphorie in 2020/2021 um Robinhood und andere Neobroker ist durch die Talfahrt an den Börsen abgeflaut. Sah man sich schon im Sog dieses Hypes mit traumhaften Bewertungen auf dem Kurszettel, so wurde man recht schnell von der Realität eingeholt. Das es für den Primus Robinhood schon Übernahmegerüchte gibt, ist dabei eigentlich nur eine Randnotiz. Offenbar gilt auch hier, nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen. Nun muss man mal sehen, welche privaten Finanzierungsrunden sich eToro für das weitere Wachstum erschließen kann.

Mit VIP Lounge bei den Adlern ist es nun auch vorbei, da haben die Kollegen/-innen von RoboMarkets Platz genommen.

Ähnliche Sorgen hört man von den Chilischoten. Ursache hier – ein Winter im Sommer. Der Kryptowinter, Teil 2,3 oder 4…

NAGA kappt die Jahresprognosen 2021/2022

Am 19.07.2022 veröffentliche NAGA eine Ad hoc Mitteilung und ein Update zum ersten Halbjahr 2022.

Darin heißt es:

Die bisher von der Gesellschaft auf Basis fachlicher Beratung gewählten und derzeit in Prüfung befindlichen Ansätze, wie der Eigenhandel mit und die zum Bilanzstichtag gehaltenen Bestände von Kryptowährungen nach den internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) bilanziell zu erfassen sind, werden voraussichtlich aufgrund zum Teil abweichender Ansätze dieser Positionen durch die Konzernabschlussprüfer der Gesellschaft zu korrigieren sein. Dies hat zur Folge, dass der Vorstand die zuletzt gemeldeten vorläufigen Konzernumsatzerlöse von EUR 55,3 Mio. (Vj. EUR 24,4 Mio.) auf die ursprüngliche erwartete Bandbreite von EUR 50 Mio. bis EUR 52 Mio. herabsetzen muss, wobei auch ein leichtes Übertreffen dieser Bandbreite möglich ist. Entsprechend muss der Vorstand auch das zuletzt gemeldete vorläufige Konzern-EBITDA (Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von EUR 12,8 Mio. (ursprünglich prognostizierte Bandbreite: EUR 13 Mio. bis EUR 15 Mio.; Vj. EUR 6,6 Mio.) deutlich auf eine Bandbreite von EUR 2,5 Mio. bis EUR 5,0 Mio. herabsetzen.

Vor dem Hintergrund der derzeit negativen Entwicklung auf den Kryptomärkten und der in diesem Jahr begonnene Ausweisung des Geschäftsfelds Krypto muss der Vorstand in Kombination mit den oben genannten bilanziellen Fragen ebenfalls die Jahresprognose für das laufende Geschäftsjahr 2022 zurücknehmen. Bislang waren für 2022 Konzernumsatzerlöse zwischen EUR 95 Mio. bis EUR 105 Mio. sowie die Erzielung eines Konzern-EBITDA zwischen EUR 25 Mio. bis EUR 30 Mio. prognostiziert worden. Zwar werden die Umsatzerlöse im Stamm-Geschäftsfeld Brokerage in 2022 deutlich das Vorjahresniveau übertreffen, doch reicht dies zur Kompensation der aus der Sparte Krypto ursprünglich erwarteten Umsatzerlöse nicht aus. Eine neue verlässliche Prognose für das Geschäftsjahr 2022 kann der Vorstand zum aktuellen Zeitpunkt nicht abgeben.

Quelle: https://www.dgap.de/dgap/News/adhoc/the-naga-group-passt-jahresprognosen-und-an/?newsID=1616357

Angesichts des schlagartigen Sturzfluges der Aktie um 32 % gab sich Ben Bilski, CEO von NAGA zeitnah kämpferisch und konnte die Anleger etwas beruhigen.

 

Fazit:

Alles in allem also turbulente Zeiten für die Idealisten bei eToro und NAGA. Die Cash Cow Krypto ist vorerst ausgemolken und hat sich auch erheblich in den Ergebnissen der beiden Dienstleister bemerkbar gemacht. Sicher wird die Kuh auch bald wieder Milch geben, die Frage ist nur, wie lange sie zur Erholung braucht. Bis dahin müssen die anderen Schafe Wolle ansetzen – Aktien & Co, damit das normale Brokerage Business weiter wächst und einen Ausgleich schaffen kann.

Wünschen wir dazu alles Gute und viel Erfolg. Vorerst heißt es aber auch für mich in den kommenden Wochen – etwas Sonne tanken. Vorher gilt es jedoch noch über eine weitere Innovation am deutschen Markt zu berichten. Seid gespannt.

Allen Lesern erholsame Sommertage

 

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